„Normale“ Zeiten

Ab Mitte der 50er-Jahre hatten sowohl der gesellige als auch der sportliche Bereich gewisse „Durchhänger“, bedingt teils durch vielfach starke berufliche Anspannung der Mitglieder, teils durch eine gewisse Vereinsmüdigkeit in Zeiten des immer bedeutsameren Fernsehens.

In der ersten Hälfte der 60er-Jahre besserte sich die Lage wieder. Der Verein beteiligte sich mit sieben Mannschaften an den Verbandsspielen und war 1963 der einzige, der zwei Jungen- und Mädchenmannschaften stellen konnte. Auch das Interesse an geselligen Veranstaltungen nahm wieder zu, die 1965 mit einem großartigen Festball zum 75-jährigen Bestehen einen eindrucksvollen Höhepunkt erreichten. Den Mitgliedern und Gästen konnte eine hervorragend gestaltete Festschrift mit Aufarbeitung der Clubgeschichte überreicht werden.

Die Jahre 1970–1990 brachten eine Zunahme der Mitgliederzahl von rund 400 auf etwas über 600, drei „Wachablösungen“ fast des gesamten Vorstands, eine Durststrecke im Verbandssport und mit Klaus Däuble eine herausragende Spielerpersönlichkeit, die zweimal Junioren- und neunmal Clubmeister wurde.

Zeitweilig wurde eine Clubfreundschaft zum TC Rotweiß Baden-Baden, der 1881 als ältester Tennisclub Deutschlands gegründet wurde. Zum 1. Mai 1976 wurde ein neuer Pächtervertrag mit Warth/Kural geschlossen, der bis zum heutigen Tage Bestand hat! Am 30. November dieses Jahres zerfetzte ein orkanartiger Sturm die Zweifeld-Traglufthalle, die kurzfristig ersetzt und damit die Wintersaison gerettet werden konnte.

Die Zeiten des Tennisbooms in Deutschland

Ab 1978 wurden Neubauüberlegungen aus den 70er-Jahren wieder aufgegriffen, eine Verlegung der Clubanlage vom Kurpark in die Lerchenheide, in eine traumhaft schöne Lage mit Blick aufs Neckartal und auf die Stuttgarter Höhen, mit der Perspektive, den Verein zum Groß- bzw. Freizeitverein auszubauen. Die Pläne scheiterten an der Finanzierung.

Wenige Jahre später – in einer neuen, noch andauernden Vorstandsära ab 1981 – wurden neuen Planungen für die Neuordnung der Plätze und den Neubau von Clubhaus und fester Tennishalle entwickelt, geprüft und im August 1982 in einer a. o. Mitgliederversammlung genehmigt. Dabei kam ein recht utopischer Plan, die Platzanlage durch Überdeckelung der angrenzenden Bahnlinie Untertürkheim/Kornwestheim zu erweitern und darauf die Tennishalle zu errichten, aus nahe liegenden Gründen nicht zum Zuge. Realisiert wurde eine turniergerechte Neuordnung der acht Freiplätze und der Neubau von Tennishalle und Clubhaus in einem Baukomplex mit Ausrichtung der großen Terrassen nach Westen.

Die Tennishalle erhielt eine zu öffnendes Dach und normalen Tennissandboden (der viel später durch den heutigen Canada-Tenn-Sandboden abgelöst wurde). Damit sollten das ganze Jahr über in der Halle die gleichen die Gelenke schonenden Verhältnisse und die gleichen Ballspringeigenschaften geboten werden wie auf den Freiplätzen im Sommer.

Am 18. Mai 1984 konnte die festliche Einweihung des größten Bauprojekts der Vereinsgeschichte stattfinden. Das Clubhaus mit seiner gelungenen Architektur fügte sich organisch in die angrenzende Umgebung ein; Clubhaus, Halle und die acht Freiplätze bilden eine Einheit wie aus einem Guss. Das neue Ensemble wirkte sich befruchtend auf das gesellige und sportliche Leben im Verein aus. Die Mitgliederzahl stieg – auch gefördert durch die Einführung eines Schnupperjahres – bis 1989 auf fast 600 an. Davon waren 333 aktive, 87 jugendliche und 172 passive Mitglieder. Mit einer Woche festlicher Veranstaltungen in der zum Festsaal umgemünzten Tennishalle und sportlichen Schaukämpfen feierte der CTC im Jahre 1990 sein hundertjähriges Bestehen.

Die weitere Entwicklung bis heute

In der weiteren Entwicklung bis heute mussten – mit dem Ausklingen des „Becker-/Graf-Booms“ – sich alle Aktivitäten der Vereinsleitung gegen ein zu starkes Absinken der Mitgliederzahlen richten. Förderung des Sports, insbesondere des Mannschaftssports im Aktiven- und Jugendbereich, Initiierung und Förderung geselliger Veranstaltungen aller Art und (damit) Werbung von erwachsenen und jugendlichen Mitgliedern war angesagt.

Als 19. hauptamtlichen Trainer des CTC konnte 1995 DTB-A-Trainer John O’Malley verpflichtet werden, der z. Z. einen bis 2009 gültigen Vertrag hat und damit auf dem Weg ist, mit dem bisher am längsten tätigen Trainer Horst Salzbrunn (1954-1969) gleichzuziehen. O’Malley hat sich mit seinem „Händchen“ für die Kinder und Jugendlichen einen hervorragenden Ruf in Tenniskreisen erworben, eine Menge für die Nachwuchsarbeit und die Heranführung der Jugendlichen an den Aktivensport geleistet und hiermit eine deutliches Anwachsen der jugendlichen Mitglieder auf ca. 120 bewirkt. So setzen sich die Aktivenmannschaften weitgehend aus eigenen „Gewächsen“ zusammen.

Trainer O’Malleys Schnupperkurse, insbesondere für erwachsene und jugendliche Nichtmitglieder im Rahmen des „Stuttgarter Sportspaß“ erfreuen sich regen Zuspruchs und führen dem Verein neue Mitglieder zu.

Während die Begeisterung für Clubturniere und Ranglistenspiele stark abgenommen hat – die 1898 begonnene Tradition des jährlichen Clubturniers wurde 2003 in Friedenszeiten erstmals unterbrochen – ist der Zug zum Mannschaftssport ungebrochen, wie die Teilnahme von fünf Aktiven-, zehn Senior(inn)en- und 15 Jugendmannschaften am Verbandssport beweist. Das bedeutet, dass ein sehr hoher Prozentsatz der Mitglieder Mannschaftssport betreibt.

Andererseits fühlen sich auch zahlreiche Mitglieder im CTC wohl, die den Tennissport ohne Turnierstress als „Nichtturnier- oder Freizeitspieler“ betreiben. Die Betonung der Geselligkeit hat weiterhin ihren traditionellen Stellenwert im CTC (auch wenn der Fiskus neuerdings den entsprechenden Part in der Vereinssatzung als die Gemeinnützigkeit schädigend untersagt hat). Die Mitgliederzahl hat sich bei 400 eingependelt, eine Zahl, die einerseits eine sehr „spielerfreundliche Auslastung“ der Platzanlage mit sich bringt und andererseits den Finanzleiter gerade noch gut schlafen lässt.